Presbyter erteilen
Gläubigem Hausverbot

Fühlt sich persönlich
angegriffen: Pfarrerin Kirsten Sowa.
Gremium der
evangelischen Markus-Gemeinde Hassel wirft 47-Jährigem vor,
kirchliche Gebäude für Aufruhr zu nutzen. Harald Ahnfeldt hatte
Flugblätter gegen Hausmeister-Kündigung verfasst
Flugblätter,
Unterschriftensammlung, Arbeitsgerichtsprozess: Das war früher. Nun
erreicht der Streit um die Sparmaßnahmen in der evangelischen
Markus-Gemeinde Hassel eine neue Qualität. Das Presbyterium hat einem
Gemeindeglied Hausverbot erteilt, weil es kirchliche Liegenschaften
nutze, um für Aufruhr zu sorgen.
Seit dem 23. Oktober
darf Harald Ahnfeldt Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten nicht mehr
betreten, weil er "das Presbyterium und seine Vorsitzende in der
Öffentlichkeit angegriffen und verunglimpft" sowie versucht
habe, die Presbyter "unter Druck zu bringen und die Gemeinde
gegen das Presbyterium und die Ortspfarrerin auf(zu)wiegeln",
heißt es im Schreiben von Pfarrerin Kirsten Sowa an den 47-Jährigen.
Dabei droht sie ihm auch "polizeiliche Gewalt" an, falls er
sich nicht an das Hausverbot halten sollte.
Einen Anlass gebe es,
so Sowa, nicht für diese Maßnahme, die nach Angaben des
Kirchenkreis-Öffentlichkeitsreferats äußerst selten sei. Sondern
viele Anlässe: Nachdem dem Gemeinde-Hausmeister gekündigt worden
war, verfasste Ahnfeldt Ende September ein Protest-Flugblatt. Darin
macht er die Pfarrerin persönlich verantwortlich für den
"Niedergang" einer "viel gelobten Gemeinde-, Jugend-,
Familien- und Seniorenarbeit" sowie dafür, dass der Hausmeister
ein "Sozialfall" werde.
Zudem habe Ahnfeldt
sich an einer Unterschriften-Aktion gegen die Kündigung beteiligt und
in Briefen an die Presbyteriums-Mitglieder diesen vorgeworfen, sich
Kirsten Sowa nicht entgegen gestellt zu haben. Dabei soll er
vertrauliche Daten über Gemeinde-Finanzen verwendet haben.
Das Votum für das
Hausverbot sei - wie die Kündigung - einstimmig gefallen. Die
Pfarrerin räumte aber ein, dass ein Presbyter aus Protest gegen die
Kündigung zurückgetreten sei.
Ahnfeldt wiederum,
Vorstandsmitglied der EAB, sieht seine Aktivitäten als durchaus
legitim an. Er vergleicht das Hausverbot mit dem
"Kirchenbann" und bedauert es, "von meiner
ehrenamtlichen Tätigkeit und der Seelsorge ausgegrenzt" zu sein.
Seine EAB-Kollegen
weiß er hinter sich: Sie beraumten Dienstag eine Sitzung an, nicht im
Gemeinde-, sondern im Erler-Haus. Ahnfeldt setzt nun auf die
Fürsprache des EAB-Landesverbandes und der Hasseler SPD, um das
Hausverbot aufzuheben. Das Landeskirchenamt bat er um eine
Stellungnahme.
Viel Hoffnung hat er
nicht. "Es ist zu schwierig. Frau Sowa sieht in mir eine
Gefahr."
01.11.2006 Von
Christiane Rautenberg