Ungeachtet der Tatsache,
dass die öffentlichen Auftritte des Papstes eine erhebliche
Beachtung finden und das Oberhaupt der Evangelischen Kirche in
Deutschland, Bischof Huber, sich einer Präsenz in den Medien zu
fast allen tagespolitischen Fragen erfreut, kann nicht darüber
hinweggesehen werden, dass die Kirchen weiterhin an Mitgliedern
verlieren.
Es ist Tatsache, dass eine wachsende Religiosität unter den
Deutschen sich nicht zwangsläufig in mehr Kirchlichkeit, also
mehr Verbundenheit mit der Amtskirche verbindet. Auch eine
erfreuliche steigende Anzahl an Wiedereintritten in beide Kirchen
kann den Trend nur mildern, aber nicht umkehren.
Die Folge sind: Sparprogramme in allen Kirchen, Zusammenlegungen
von Gemeinden und sogar Landeskirchen, Personalabbau. Die
Diskussion über Schließung und Aufgabe von Kirchen, sei es in
den großen Städten, sei es in den weniger besiedelten Gebieten
der Ostländer, wird unter aufmerksamer Beteiligung der Öffentlichkeit
geführt. Sie enthebt die Verantwortlichen nicht der Aufgabe, sich
rechtzeitig auf eine Zukunft mit weniger Mitgliedern und weniger
Geld einzustellen.
Die Evangelische Kirche
Deutschlands hat zu diesen Fragen ein Impulspapier in die
Diskussion gebracht, das aus dieser Situation neue Ziele ableitet.
Neu ist zum Beispiel, dass den Ehrenamtlichen in der Kirche der
Zukunft eine wesentliche Rolle zugesprochen wird. Da, wo bezahlte
Kräfte nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen,
ist der ehrenamtliche Einsatz verstärkt gefragt. Die Kirche der
Zukunft wird mehr als bisher eine Kirche der ehrenamtlichen Laien
sein.
Besorgt mag man fragen, ob sich dies negativ auf die kirchliche
Arbeit auswirkt. Ich behaupte: nein. Berichte etwa aus
brandenburgischen Dörfern, in denen eine Versorgung mit Pfarrern
nicht mehr möglich ist, zeigen, dass Förderkreise von Bewohnern
– Christen wie Nichtchristen – sich mit neuem Schwung für den
Erhalt ihrer Kirchen einsetzen. Wo Gottesdienste ausfallen, finden
sich Laien, um miteinander Gottesdienste zu gestalten und dafür
zu sorgen, dass am Sonntagmorgen die Glocken nicht schweigen müssen.
In Frankfurt entwickeln Gemeinden eine große Kreativität, um da
mit beachtlichen Eigenbeiträgen und Eigenleistungen Kirchen zu
verschönern, wo die Kirchensteuern dafür nicht ausreichen. Da wo
eine bequeme „kirchliche Versorgung“ nicht mehr gewährt
werden kann, wächst Selbstbewusstsein und Selbstengagement.
Gerade der Protestantismus spricht unter dem reformatorischen
Schlagwort „Priestertum aller Gläubigen“ allen engagierten
Christen die Fähigkeit und Verantwortung zu, sich für ihren
Glauben zu engagieren. Große protestantische Namen haben dies an
profilierter Stelle in den vergangenen Jahrzehnten im
gesellschaftlichen Leben vorgelebt: Gustav Heinemann, Richard von
Weizsäcker, Johannes Rau und andere.
Die Zukunft einer weniger landeskirchlich ausdifferenzierten
Evangelischen Kirche in Deutschland kann durchaus Grund zur
Hoffnung werden. Was uns in unserer Wahrnehmung des Islams in
Deutschland oft verwundert die Augen reiben lässt, nämlich dass
immer mehr Muslime sich öffentlich und sichtbar – etwa durch
das Kopftuch – zu ihrer Religion bekennen, ist in seinen Wurzeln
in den protestantischen Kirchen bereits angelegt: Engagement und
öffentliches Bekenntnis von Christen im Alltag in der Welt.
Es ist Zeit, dass das christliche Selbstverständnis aus seiner
verschämten Privatheit heraustritt und sich öffentlich zeigt.
Daran gilt es zu arbeiten, dann muss man um die Zukunft des
Christentums in unserer Gesellschaft sich keine Sorgen machen.
Kirche der Ehrenamtlichen
!!!
Pfarrerin Esther Gebhardt ist Vorstandsvorsitzende des
Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt.
























