Klaus-Dieter Kottnik zum neuen
Diakonie-Präsidenten gewählt
Berlin (dpa) Neuer Präsident des Diakonischen
Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist Klaus-Dieter
Kottnik. Der 54-jährige Vorstandsvorsitzende der Diakonie Stetten in
Baden-Württemberg wurde am Donnerstag in Berlin von der Diakonischen
Konferenz im dritten Wahlgang mit 49 von 93 Stimmen gewählt. Die Neuwahl
durch die Diakonische Konferenz wurde durch den Rücktritt von Präsident
Jürgen Gohde im Juni nötig. Dieser war mit Forderungen nach Leistungskürzungen
bei Hartz IV in die Kritik geraten. Neben Kottnik hatten sich auch die
Vorsitzende der Diakonischen Konferenz, Annegrethe Stoltenberg, und der
Hauptgeschäftsführer der Diakonie Baden, Johannes Stockmeier, zur Wahl
gestellt.
Die seit Dienstag in der Hauptstadt tagende
Diakonische Konferenz verabschiedete eine Grundsatzerklärung zur
Familienpolitik. Qualitätseinbußen bei unterstützenden Leistungen für
Familien dürften nicht hingenommen werden, heißt es darin. Umfassende
Hilfe müsse es besonders für Familien in schwierigen Lebenslagen und
-phasen geben. "Weiterhin muss gelten: Das Leben als Familie darf
nicht zum privaten Armutsrisiko werden", betont die Konferenz. Die
Konferenz hatte diesmal das Schwerpunktthema "Familien wirksam fördern
und gesellschaftliche Teilhabe sichern". In Zukunft werde es noch
wichtiger, dass Diakonie und Kirche ihren Blick auf benachteiligte
Familien lenken. 15 Prozent aller Kinder in Deutschland wüchsen in Armut
auf.
Der auf fünf Jahre gewählte Kottnik erklärte
zu seiner Wahl: "Als Präsident liegt mir daran, die Diakonie als
evangelische Stimme in grundsätzlichen und tagespolitischen Themen der
sozialstaatlichen Entwicklung deutlich vernehmbar zu machen." Das
Sozialwerk mit seiner breiten Erfahrung auf allen Feldern sozialer Arbeit
in Deutschland wie international werde sich "deutlich für die
Belange der Menschen zu Wort melden, die zu wenig Chancen der Teilhabe am
Leben der Gesellschaft haben."
Nach der Neuorganisation des Diakonischen Werkes
und dem Aufbau der Zentren in Berlin bräuchten die Mitarbeiter in
Stuttgart Klarheit über ihre Zukunft, hob Kottnik hervor. Rasch müsse
die Zukunft der beiden Standorte Berlin und Stuttgart geklärt werden. Außerdem
sollten Fusionen und Kooperationen von Fach- und Landesverbänden gefördert
werden.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, betonte zu der Wahl:
"Die
Arbeit der Diakonie wird in unserem Land als Orientierungspunkt für
Menschlichkeit und Menschenwürde wahrgenommen." Die Diakonie gelte
in einem hervorgehobenen Maße als Lebensäußerung der Kirche in der
Gesellschaft. Umgekehrt gewinne die Diakonie in ihrer engen Verbindung mit
der evangelischen Kirche christliches Profil im Wettbewerb mit anderen
Wohlfahrtsverbänden.
Die Diakonische Konferenz genehmigte auch den
Jahresabschluss des Diakonischen Werkes für 2005. Der Lagebericht weist
dabei erstmalig auch die Vergütung des Vorstands aus. Damit solle ein
Beitrag zur Transparenz geleistet werden. Die Finanzmittel der Diakonie-
Verwaltung gehen ständig zurück. 1995 umfasste ihr Haushalt noch 40
Millionen Euro. Im laufenden Jahr waren es 34,6 Millionen; für 2007 sind
33 Millionen vorgesehen.
Die Diakonische Konferenz ist das höchste
Beschlussgremium der Diakonie. Das EKD-Sozialwerk hat rund 450 000
hauptamtliche und 400 000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Bundesweit gibt
es etwa 27 000 diakonische Einrichtungen und Dienste mit mehr als
einer Million Betreuungsplätzen. Die Diakonie engagiert sich insbesondere
für Kinder sowie ältere, behinderte und sozial benachteiligte Menschen.
Donnerstag, 19. Oktober 2006 (16:37)
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