



















Artenschutz falsch verstanden
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| Mittwochsjournal |
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ihrem Luther-Logo steuert die evangelische Kirche gegen den
Halloween-Trend an und weist darauf hin, dass am 31. Oktober
der Reformationstag gefeiert
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Gruselspaß oder eine ernste Gefahr
Am
Halloween-Brauch scheiden sich die Geister – Gegenaktionen
Kreis
Stade (ff). Für die einen ist es eine ernsthafte Gefährdung
der Gesellschaft, für die anderen ein harmloser Gruselspaß.
Wiederum andere entdecken in Halloween einen tieferen Sinn, nämlich
die Auseinandersetzung mit dem Tod und einen geeigneten Umgang mit
der Angst. Kein Zweifel, der US-Import, der seit einigen Jahren auch
in Deutschland zelebriert wird, spaltet die Gemüter. Während sich
die Gegner noch Sorgen machen um den Zerfall der christlichen Werte,
plädieren die Kirchen mittlerweile für eine gelassene Haltung und
kontern mit Gegenaktionen, die ihre Traditionsfeste wieder stärker
in den Mittelpunkt rücken.
So
versucht die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover den
Reformationstag mit originellen Ideen wiederzubeleben. Mit einem
Martin-Luther-Bild in Pop-Art-Manier, der auf ihrer Internetseite www.hallo-luther.de
augenzwinkernd lächelt, will man vor allem Jugendliche überzeugen,
dass der letzte Tag im Oktober durchaus ein Grund zum Feiern ist.
Denn der 31. Oktober 1517 gilt als der eigentliche Geburtstag der
evangelischen Kirche. Luther soll seine provokanten Thesen an diesem
Tag an die Wittenberger Schlosskirche genagelt haben. Ob es sich so
zugetragen hat, wird mittlerweile in Fachkreisen schon wieder
bezweifelt.
Das stört die Kirche nicht, eher dass Halloween vielleicht
doch mehr Anhänger gewinnen könnte. Deshalb wird seit 2005 auch im
Landkreis Stade die Gegenaktion „Hallo Luther“ in die Tat
umgesetzt: Pfarrer verteilen als Luther verkleidet Bonbons, und
weibliche Gemeindemitglieder schenken in Käthe-Kostümen Kürbissuppe
aus.
„Halloween transportiert keine Inhalte, da haben wir mehr zu
bieten“, ist sich die Kommunikationsmanagerin der evangelischen
Landeskirche, Sonja Domröse, sicher. Die Stader Pastorin weiß aber
auch, dass es schwer ist, gerade Kindern die Geschichte der
Reformation schmackhaft zu machen, obwohl sie der Meinung ist, dass
der Halloween-Trend schon wieder abflaut. Das sehen einige ihrer
amerikanischen Kollegen anders: Sie verurteilen öffentlich das
Gespenster-Event als übelstes Teufelswerk. Und das, obwohl
Halloween ursprünglich ein christliches Fest war, behaupten
jedenfalls einige Historiker, nachzulesen auf der Homepage der
evangelischen Kirche Deutschland.
Der Ursprung stamme von der britischen Insel. In der schottisch-gälischen
Sprache hieß „samhuinn“ nichts anderes als „Hallowtide“, nämlich
Holiday, das Ende des Sommers.
Den Beginn des Winters feierten die Menschen im Mittelalter mit
Meditation, Vorhersagen und einem üppigen Essen. Damals gingen in
England arme Leute von Tür zu Tür, um „Seelenkuchen“, ein
Johannisbeergebäck, zu erheischen. Als Gegenleistung versprachen
die Empfänger, für die verstorbenen Angehörigen zu beten. In
Deutschland vermummten sich zum Beispiel junge Burschen und liefen
mit ausgehöhlten und beleuchteten Rüben durch die Stadt, um nichts
ahnende Bürger zu erschrecken.
Der Brauch, Totenmessen zu lesen und dafür Naturalien zu bekommen,
ist heute noch in einigen Eifelstädtchen zu finden. Dieser so
genannte Heischegang ist ebenfalls vom Martinsfest am 10. November
bekannt, dem Geburtstag Luthers. Blutmonat nannten unsere Ahnen den
November deshalb, weil überzähliges Vieh geschlachtet wurde, um im
Winter Futter zu sparen. Mit Menschenopfern für den keltischen
Totengott Samhain, den Esoterik-Fans mit Halloween ehren, habe das
nichts zu tun, einen Gott mit diesem Namen soll es nie gegeben
haben. Auch nicht das heidnische Ritual, ausgehöhlte Rüben vor die
Häuser der Familien zu stellen, deren Kinder als Opfer ausgewählt
waren.
Vielmehr bedeute „All hallows eve“ soviel wie Allerheiligen –
der christlichen Gedenktag der eigentlich nur den Heiligen galt –
und der vor Allerseelen, einem weiteren Feiertag, liegt. Die
katholische Kirche verlegte Allerheiligen im Jahre 835 vom ersten
Sonntag nach Pfingsten auf den ersten November.
Andere Quellen sprechen davon, dass Papst Gregor IV 837 verfügt
habe, die Toten zu ehren, aber auch, heidnische Bräuche nicht
abzuschaffen. Insofern kann es sein, dass Halloween durchaus
heidnische Wurzeln hat, was die evangelische Kirche Deutschlands
weit von sich weist.
Früher glaubten die Menschen in vielen katholischen Ländern, in
der Nacht zum 1. November sei die Trennwand zwischen der Welt der
Toten und der Lebenden besonders dünn. Um mit den Verstorbenen in
Kontakt zu treten, stellte man ihnen Leckereien hin.
Der Name Halloween taucht erstmalig im 16. Jahrhundert auf, eingeführt
von der protestantischen Kirche. Auf Anordnung Georg II. von Sachsen
feiern evangelische Christen den Reformationstag seit 1667
einheitlich am 31. Oktober. Geister- und Hexenverkleidungen sollen
erst im 19. Jahrhundert dazugekommen sein.
Aus Irland ist überliefert, dass sich die Menschen besonders
schrecklich anzogen, damit die Toten und Geister sie nicht als
Lebende erkannten. Mit ausgehöhlten Kürbissen und riesigen Feuern
wurden die Gespenster vergrault.
Irische Einwanderer brachten den Brauch, der an Jack o' Lantern
erinnert, der Schmied, der mit dem Teufel einen Pakt schloss und zur
Strafe auf ewig mit einer beleuchteten Laterne umher zieht, nach
Amerika. Von dort schwappte der Brauch wieder zurück in die Alte
Welt.
Artikel erschienen am: 25.10.2006
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